Die Doppelmorde

Zusammenfassung des ersten Doppelmordes
Zusammenfassung des ersten Doppelmordes
Am 21. Mai 1989 gegen 09.00 Uhr startete das Ehepaar Ursula und Peter Reinold aus Hamburg-Bergedorf einen Ausflug in das Waldgebiet der Göhrde. Es ist bis heute unklar, ob sie die Göhrde direkt aufsuchten oder sich ggf. vorher noch woanders aufhielten. Zeugenaussagen, die sie an verschiedenen Orten gleichzeitig zum Mittagessen gesehen haben wollen, trugen eher zur Irritation, als zur Klärung bei.
Vermutlich suchten, die 45-jährige Frau und ihr 51-jähriger Ehemann eine Lichtung im Jagen 138 auf, wahrscheinlich um sich dort zu sonnen und ein Picknick zu machen, wofür die Kühlbox mit den Essensresten spricht, die die Polizei später im Kofferraum des Honda Civic fand.
Der Täter brachte das Ehepaar dort um und versteckte es hinter einer Baumgruppe unter einer gegabelten Krüppelkiefer. Anschließend entwendete er den Opfern die Kleidung und persönliche Gegenstände sowie den Autoschlüssel und flüchtete mit dem Fahrzeug des männlichen Opfers. Er verbrachte das Fahrzeug nach Winsen/Luhe, wo er den Wagen in der Bahnhofstraße vor der Bäckerei Rundt abstellte.
Am 23. Mai 1989 erstatteten die Töchter der Eheleute Reinold Vermisstenanzeige und starteten eine Suchaktion mit Handzetteln. Erst sieben Wochen später, am 12. Juli 1989, entdeckten drei Blaubeersammler aus Hamburg die Leichen der Eheleute Reinold. Sie waren bereits stark verwest, mumifiziert und größtenteils skelettiert.
Die genaue Todesursache konnte wegen des Zustandes der beiden Leichen nicht mehr zweifelsfrei geklärt werden. Suizid oder Unfall schieden hingegen aus. Es handelte sich zweifelsfrei um ein Kapitalverbrechen. Der Tod wurde vermutlich durch Strangulation, Erwürgen und/oder Erschlagen herbeigeführt. Schussverletzungen konnten an beiden Opfern keine festgestellt werden. Eine markante Verletzung am Kehlkopf des männlichen Opfers wies auf Strangulationsmerkmale hin. Die Ermittler konnten jedoch nicht ausschließen, dass die Verletzung durch Wildschweine entstanden war.
Nachdem die drei Blaubeersammler die beiden Leichen entdeckten, gingen sie auf direktem Weg zum Forsthaus Röthen, um die Polizei zu verständigen. Auf dem Weg dorthin begegnete ihnen, auf etwa halber Strecke, ein braunhaariger, kräftiger, Mann, der eine beutelähnliche Tasche bei sich trug. Die Kriminalpolizei geht davon aus, dass die Beerensammler mit hoher Wahrscheinlichkeit dem Täter begegneten, der sich an diesem Tag und zu dieser Zeit in der Göhrde erneut mit Tötungsabsicht im Wald befand.
Zusammenfassung des zweiten Doppelmordes
Am 12. Juli 1989, also am selben Tag, als die Beerensammler die Leichen der Eheleute Reinhold entdeckt hatten, trafen sich im nahegelegenen Bad Bevensen der 43-jährige Bernd-Michael Köpping, ein Bezirksleiter der Toto/Lotto Gesellschaft, mit der 46-jährigen Ingrid Warmbier, einer Hausfrau aus Groß Liedern, bei Uelzen, um einen Ausflug in die Göhrde zu unternehmen. Es handelte sich um ein Liebespaar, die beide anderweitig verheiratet waren.
Sie parkten an einer kleinen Nebenstraße nahe dem Forsthaus Röthen und gingen rund 800 Meter in das Waldgebiet hinein. Im Waldabschnitt der Jage 147, trafen sie auf den Täter, der sie mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einer Schusswaffe bedrohte und ins Unterholz abdrängte. Das weibliche Opfer wurde an den Fußgelenken mit einem 5cm breiten Leukoplast-Band gefesselt.
Der Täter strangulierte das männliche Opfer, vermutlich in Bauchlage und tötete es von hinten durch einen Kopfschuss mit einer Waffe unbekannten Kalibers, vermutlich 22 lfB oder 6,35. Das Projektil und die Hülse konnten am Tatort nicht gefunden werden. Der weiblichen Person zertrümmerte der Täter im Ablauf der Tat den Schädel und fügte ihr schwere Verletzungen im Gesichtsbereich zu.
Anschließend entwendete er den Opfern persönliche Gegenstände, u.a. eine Polaroid-Sofortbildkamera und die Autoschlüssel des Toyota Tercels, mit dem er aus der Göhrde in Richtung Himbergen mit dem Ziel Bad Bevensen fuhr. Die Ermittler vermuteten, dass das Fahrzeug des männlichen Opfers noch etwa eine Woche bewegt und immer wieder an verschiedenen Orten in Bad Bevensen abgestellt wurde, bevor es vor der Diabetes-Klinik in Bad Bevensen, auf einem der öffentlichen Parkplätze, von einer Polizeistreife, abgestellt aufgefunden wurde.
15 Tage später, am 27. Juli 1989, entdeckten Polizeibeamte der eingesetzten Hundertschaft der Bereitschaftspolizei Braunschweig, im Rahmen einer breit angelegten Nachsuche der Kleidung des ersten Opferpaares die beiden Opfer des zweiten Doppelmordes, Frau Ingrid Warmbier und Herrn Bernd-Michael Köpping. Da die Opfer noch keine zu starken Verwesungsmerkmale aufwiesen, konnte der Todeszeitpunkt zweifelsfrei auf den 12. Juli 1989 datiert werden, also den Tag, an dem die Polizei die ersten Opfer entdeckte und ihre Ermittlungen am Fundort aufnahm.
Der Tatort lag im Jagen 147, nur 752 Meter vom Auffindeort des ersten Opferpaares, im Jagen 138, entfernt. Vermutlich beging der Täter den zweiten Doppelmord zu der Zeit, als die Kriminalpolizei am Fundort der ersten Opfer war, um die Ermittlungen aufzunehmen.
Ein später durchgeführter Schusstest ergab, dass dieser trotz der „geringen Entfernung“ nicht zu hören gewesen wäre, weil sowohl der Fundort der Leichen des ersten Doppelmordes als auch der Tatort des zweiten Doppelmordes im geografischen Verlauf des Waldabschnittes abgesenkt lagen.